Unterhaltungsarbeiten durch den UHV Untere Oste am Neuhaus-Bülkauer Kanal im Winter / Frühjahr 2022

 

von Michael Böhling 22.06.2022

 

im Rahmen meiner Recherchen zu den Baumfällungen an der Aue in Bülkau-Auestade bin ich auf vergleichbare Arbeitsweisen des UHV Untere Oste, diesmal am Neuhaus-Bülkauer Kanal (zwischen den beiden Brücken des Altkehdinger Wegs) aufmerksam gemacht worden.

 

1. Dort wurden auf 800 m BEIDSEITIG diverse Großbäume und das komplette Buschwerk weggenommen. Nach persönlicher in Augenscheinnahme ist das beidseitige Arbeiten ein Novum am Kanal zwischen dort und Balksee innerhalb der letzten vermutlich Jahrzehnte,

2. Die verbliebenen Bäume wurden sehr stark und dabei über 20x unfachmännisch aufgeastet,

3. Beim anschließenden beidseitigen Auskoffern des Kanalbettes wurden über 30 Bäume durch die Baggerschaufel verletzt. Beim Auskoffern kam vermutlich wieder der kleine Bagger zum Einsatz, für den es absolut nicht erforderlich gewesen wäre so viele Bäume wegzunehmen und die verbliebenen so stark aufzuasten,

4. Der extremst sandige Kanalschlamm wurde bis zu 50cm hoch (z.T. habe ich mit Hilfe einer Erdsonde sogar 60-80 cm gemessen) unmittelbar an die Stämme angrenzender Großbäume innerhalb der Kronentraufe abgeladen. 

 

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Baumfällung hat ein Nachspiel

 

von Wiebke Kramp 31.03.2022

 

Kreis Cuxhaven. Die massive Baumfällaktion an der Aue in Bülkau-Auestade hat ein Nachspiel. Der zuständige Unterhaltungsverband Untere Oste wird dafür zur Verantwortung gezogen. Der Landkreis leitet ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den in Hemmoor ansässigen Verband ein. Mehr lesen

Baumfäll-Kartierung

von Michael Böhling 18.01.2022

 

Am 13., 14. und 17. Januar 2022 haben am Westufer der Aue in 21782 Bülkau-Auestade im Bereich von

Auestade 6 im Norden bis zur 90°-Kurve im Süden (ca. 460 m Uferlinie) Baumfällarbeiten in gravierendem Ausmaß stattgefunden.

Durch den Einsatz mehrerer Anwohner/innen, örtlichen Politikerinnen und in erster Linie von Frau Wahle von der Unteren Naturschutzbehörde in Cuxhaven konnte dem Fällen (leider erst viel zu spät) Einhalt geboten werden. Frau Kramp von der NEZ war dankenswerter Weise auch vor Ort und hat Fotos und Notizen gemacht.

Durchgeführt wurden die Arbeiten vom Unterhaltungsverband.

Ziel der Arbeiten war, lt. telefonischer Auskunft des Unterhaltungsverbandes, das Entschlammen der Aue vorzubereiten. Dies solle im Nachgang mit großem Gerät durchgeführt werden, wofür Platz benötigt wird. Deshalb sollten „einige Bäume und alle Büsche“ am Westufer der Aue abgenommen werden.

Tatsächlich wurden von 44 großen Bäumen 30 gefällt und 14 meist unfachmännisch aufgeastet. Bei einem sehr vorsichtig geschätztem Durchschnittsalter von 50 Jahren (bei einer Eiche habe ich mehr als 100 Jahresringe zählen können) wären das ca.1.500 Baumlebensjahre, die in zweieinhalb Tagen vernichtet wurden. Um diese 1.500 Lebensjahre nachzupflanzen, müssten 300 fünfjährige Bäume gepflanzt werden. Um das geschlagene Holzvolumen sofort auszugleichen, müsste man nach meinen Berechnungen fast 100.000 fünfjährige Bäume nachpflanzen!!! (Annahme: fünfjährige Bäume mit 2 cm gemitteltem Durchmesser und 2 m Höhe, gefällte Bäume mit gemitteltem Durchmesser von 50 cm und 10 m Höhe.) Ein undurchführbares und unbezahlbares Unterfangen. Und selbst damit wäre erst nur der entnommene Kohlenstoff ausgeglichen. Eine vergleichbar hohe ökologische Wertigkeit würden diese 100.000 Bäume erst nach vielen Jahren bzw. Jahrzehnten erlangen.

Jeder Förster erntet die Bäume seines (Ur-)Großvaters und pflanzt Bäume für seine (Ur-) Enkel. Und der Unterhaltungsverband??? Es scheint so, dass der Wert von Bäumen (für die Natur, aber auch für den Menschen) im Unterhaltungsverband nicht oder zumindest viel zu wenig erkannt wird. Wie kann hier ein Bewusstseinswandel erreicht werden?

Um das Ausmaß der Fällarbeiten zu dokumentieren, habe ich diese Kartierung vorgenommen. Im Anhang finden sich drei Karten (die ich aus Openstreetmap.org kopiert habe) mit den grob eingezeichneten Baumstandorten und eine Tabelle jeweils zzgl. Anmerkungen.

Mit mehr (ökologischer) Um- und Weitsicht, einer besseren Planung und vermutlich ohne große Mehrkosten hätten die meisten der gefällten Bäume erhalten werden können und der ökologische Eingriff wäre minimiert worden.

So wäre z.B. ein Großteil der getätigten Sägearbeiten grundsätzlich gar nicht erforderlich gewesen, wenn man von Anfang an in Erwägung gezogen hätte, von der anderen Uferseite aus, die Aue auszukoffern. Das Ostufer ist nämlich in diesem Aueabschnitt vergleichsweise wenig bzw. meist nur mit relativ niedrigem Buschwerk bewachsen, welches man auch aus ökologischer Sicht recht problemlos hätte auf den Stock setzen können.

Außerdem stellte sich in den Gesprächen mit den Sägearbeitern heraus, dass die Baumfällarbeiten gar nicht zwingend zum Auskoffern der Aue erforderlich gewesen wären, sondern dieses zweifellos dringend nötige Entschlammen der Aue nur erleichtern sollten. Was letztendlich nahezu ausschließlich eine finanzielle Frage ist, da dieses bei dicht stehenden Bäumen länger dauern würde aber offensichtlich nicht unmöglich ist. Wobei hier natürlich auch hereingerechnet werden muss, dass jetzt fast drei Tage lang gesägt wurde und auch noch diverse Stunden für die Abfuhr des Holzes und Busches zu veranschlagen sind. Das eingerechnet, hätten sich die Mehrkosten vermutlich im überschaubaren Bereich gehalten.

Des Weiteren entstehen jetzt auch noch Kosten für die meiner Ansicht nach dringend erforderlichen Nacharbeiten an den unfachmännisch aufgeasteten Bäumen und insbesondere für die ebenfalls zwingend erforderlichen großflächigen Wiederaufforstungsmaßnahmen, um wenigstens einen wenn auch nur kleinen Teil des Eingriffes auszugleichen.

Ein mehrfach genanntes Argument war, dass Bäume, die direkt an der Wasserlinie, also im unteren Bereich der Böschung wachsen, unbedingt gefällt werden müssen, damit sie bei einem sturmbedingtem Umfallen nicht die gesamte Uferböschung wegreißen. Dem widerspreche ich massiv. Nicht, weil das meiner Meinung nach nicht passieren könnte, sondern weil das im Umkehrschluss heißen würde, mehr als jeden zweiten Baum an der Aue prophylaktisch abzusägen, weil er vielleicht in 10, 20, 30 Jahren bei einem Sturm mal umfallen könnte. Was natürlich überhaupt nicht ausschließt, dass akut umsturzgefährdete Bäume vorsorglich entnommen werden sollten.         Ich kann nicht einschätzen, ob das Entfernen von durch Sturm umgestürzten Bäumen eine deutlich höhere Gefahr für die Sägearbeiter darstellt, als ein kontrolliertes Fällen, wie behauptet wurde. Ich will das nicht ausschließen und insofern nehme ich dieses Argument sehr ernst. Ich könnte mir andererseits aber auch vorstellen, dass gerade für diese Arbeiten die im Anhang beschriebene „Kneifzange“ Schnitt-Griffy HS 860 SE gute und vor allem sichere Dienste leisten könnte. Im Übrigen frage ich mich, ob die Gefährdungseinschätzungen der Sägearbeiter nicht etwas selektiv sind. Sich auf einer nur einfach gesicherten geländerfreien Plattform mit dem Bagger auf die Aue hinausheben zu lassen, um dort – wiederum ungesichert – per Hand Äste aus der Aue zu fischen, wäre kein Anblick, den die Berufsgenossenschaft gerne sehen würde, um es mal ganz zurückhaltend auszudrücken.

Im Übrigen rate ich dringend dazu, dass Proben des auszukoffernden Schlamms vor dem Aufbringen auf die Felder auf Schadstoffe hin untersucht werden. Schließlich war die Aue im Wesentlichen aufgrund der trockenheitsbedingten Auswaschungen aus den sulfatsauren Böden unserer Gegend schon vor dem Verschlammen wohl weitgehend tot.

Des Weiteren frage ich mich, sollte Widererwarten doch sichtbares Leben (wie z.B. Amphibien, Fische, Muscheln) in der Aue vorhanden sein, ob dieses gerettet und wieder zurück in die Aue gesetzt werden könnte. Hier würden die Anwohner/innen sicher bereitwillig Hilfe leisten. Einen entsprechenden Zeitungsbericht in EWa oder HaKu gab es meines Wissens im letzten Jahr. Er liegt mir aktuell leider nicht vor.

Darüber hinaus sollte meiner Ansicht nach dringend in Erwägung gezogen werden, Vorkehrungen zu treffen, dass die verbliebenen Bäume beim Auskoffern der Aue nicht durch versehentliche Berührungen mit der großen Baggerschaufel geschädigt werden. Zumindest in/an innerstädtischen Baustellen ist es eine absolute Selbstverständlichkeit, dass gefährdete Bäume beim Einsatz schwerer Maschinen entsprechend geschützt werden.

    Als Quintessenz für die Zukunft schlage ich dringend vor, dass ein umfassendes Gewässerunterhaltungs-Management-System ins Leben gerufen wird, dass die verschiedenen Interessen (Entwässerung, saubere Gewässer, natürliche Uferbepflanzungen mit umfangreicher Beschattung, Erhalt großer Bäume, Wassersport, Tourismus, Angeln ...) vorausschauend und zukunftsfähig organisiert. Dafür müssen natürlich alle Betroffenen (Verbände, Anwohner/innen, Naturschützer/innen, Politiker/innen, Tourismusvertreter/innen etc.) sich einbringen können. Bei Bedarf wäre ich selbstverständlich gerne bereit, daran mitzuwirken.

Die Kartierung wurde vom 16. bis 18. Januar 2022 nach bestem Wissen und Gewissen ohne Gewähr von mir vorgenommen. Ich bin kein Fachmann sondern nur ein interessierter Laie. Sämtliche kartierten Daten dürfen gerne unter Nennung meines Namens und ggf. von „Openstreetmap.org“ zum Zwecke des Umwelt- und Naturschutzes und der öffentlichen Dokumentation und Information verwendet und vervielfältigt werden.

Für evtl. Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

 

 

 

Anmerkungen zur Tabelle

- Alle Maße sind ca.-Angaben und wurden wie folgt ermittelt:

- Alle Entfernungsmaße per Schrittmaß

- Die Durchmesser der abgesägten Bäume mit      Zentimetermaßband (bei „ovalen“ Schnitten gemittelt) auf Bodenniveau

- Die Durchmesser der aufgeasteten Bäume habe ich auf Bodenniveau grob abgeschätzt (ein Herunter-rechnen über den Stammumfang schied aus, da dies am Ufer zu aufwändig gewesen wäre)

- Bei drei großen abgesägten Bäumen habe ich versucht, die Jahresringe zu zählen und dabei eher ab

- als aufgerundet

- Mehrere Baumarten konnten nicht exakt bestimmt werden, da erst nach dem Absägen kartiert wurde. Erschwerend kam hinzu, dass viele Schnittstellen beim Herausziehen der Bäume aus der Aue völlig einge-schlämmt wurden und die abgesägten Stammstücke und das Kronenbuschwerk in bis zu 20 m Entfernung z.T. vermischt mit dem von anderen Bäumen gestapelt wurde.

- Einige abgesägte Bäume waren dem Schnittbild nach zu urteilen offensichtlich krank, inwieweit sie aber akut umsturzgefährdet waren, kann im Nachhinein wohl nicht mehr beurteilt werden.

- Nicht kartiert wurden ca. 20 Jungbäume (ca. 2-4 m hoch), die zwar stehen geblieben sind, aber evtl. im Nachgang – nämlich beim Auskoffern der Aue – noch in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.

- Nicht kartiert wurde zahlreich abgenommener Busch, kleinere Bäume und Wurzelschösslinge, die unter ca. 25 cm Stamm- hatten.

- Ich bin weder Gärtner noch Förster etc. Aus mehreren Obstbaumschneidekursen (alte Hochstämme) und Lektüre diverser entsprechender Fachliteratur behaupte ich in etwa zu wissen, wie Säge- und Schnittarbeiten durchzuführen sind. Auch wenn Obstbäume sicher empfindlicher sind als heimische Wildbäume, bezeichne ich die hinterlassenen Schnittstellen schlicht als unfachmännisch. Sie müssen dringend nachbehandelt werden, damit die Bäume nicht von Pilzen befallen werden und genau deshalb demnächst gefällt werden müssen.

- Die aus„gesägten“ „Bäume sind wohl überwiegend deshalb dringend nachzubehandeln, da allem Anschein nach im Wesentlichen nicht mit der Kettensäge sondern mit der Bagger- „Kneifzange“ Schnitt-Griffy HS 860 SE gearbeitet wurde. Die mag zwar sehr effizient (im Sinne des Abholzens) sein, aber es ist nicht möglich, damit saubere (da völlig stumpfe Schneide) und stamm-bündige (die Schere hat seitliche Ausladung) Schnitte durchzuführen. Außerdem bricht beim „Kneifen“ wohl sehr häufig das letzte Stück des Astes heraus, was man evtl. durch fachmännisches Arbeiten (erst mit Abstand zum Stamm auf einen Stummel schneiden und dann bündig nacharbeiten) verhindern könnte. Hinzu kommt, dass beim Einsatz dieses Gerätes gelegentlich Kollateralschäden vorkommen, nämlich wenn beim Ansetzen des Kneifers versehentlich die Borke oder andere Äste in Mitleidenschaft gezogen werden.  

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Baumfäll-Kartierung Bülkau-Auestade - NE
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